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Callcenter: Mehr prekäre Arbeitsplätze weltweit

Callcenter: Mehr prekäre Arbeitsplätze weltweit

Die Situation in Callcentern und der Telekommunikation war Thema einer Tagung der Internationalen Arbeitsorganisationen (IAO) Ende Oktober 2015 in Genf. Zu dem Forum waren nationale Arbeitgebervertreter/innen, Arbeitnehmervertreter/innen sowie Vertreter/innen der Regierungen eingeladen worden.

Laut IAO hat in den vergangenen 15 Jahren eine Reduzierung der Arbeitsplätze im Bereich der Telekommunikation stattgefunden, während in den Callcentern ein rasanter Anstieg von Arbeitsplätzen weltweit zu verzeichnen ist. In den USA gibt es über 4 Millionen Callcenter-Beschäftigte, in Großbritannien über eine Million, auf den Philippinen und in Mexiko knapp 600.000, in Indien weit über 500.000 und in Deutschland rund 520.000 Beschäftigte. Einher ging diese Verlagerung von Arbeitsplätzen mit massiven Veränderungen für die Beschäftigten: Aus in der Regel gesicherter unbefristeter Vollzeit-Beschäftigung mit tariflich geregelten Entlohnungsbedingungen wurden vielfach unsichere Beschäftigung mit Teilzeitarbeit und Befristungen, mit niedrigen Löhnen, mit Zeit- und Leiharbeit sowie hohen Fluktuationsraten und steigenden Krankenquoten.

ver.di verwies darauf, dass den niedrigen Löhnen in Callcentern in Deutschland seit dem 1. Januar 2015 zumindest eine Untergrenze durch den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro gesetzt wurde. Die ver.di-Forderung nach einem Branchentarifvertrag für Beschäftigte in Callcentern war bisher allerdings nicht durchsetzbar – es fehlt schlicht ein Arbeitgeberverband als Verhandlungspartner.

Abschließender Kommentar von Ulrich Beiderwieden: "Die Tagung war ein voller Erfolg, wir konnten gute Kontakte knüpfen. Erschreckend für die Teilnehmer/innen unserer ver.di-Delegation war aber, dass aus Deutschland weder Regierungsvertreter noch Vertreter von Interessenverbänden der Branche oder einzelner Unternehmen oder Konzerne auf dieser Tagung anwesend waren. Das wird der Bedeutung der Call Center Branche und den vielen tausend Beschäftigten dieser Branche in Deutschland nicht gerecht."