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Callcenter: DGB-Index belegt Stress und Arbeitsüberlastung der Beschäftigten

Seit Jahren wird darauf hingewiesen, dass gerade Beschäftigte in Callcentern besonderen Belastungen ausgesetzt sind. Der Krankenstand ist überdurchschnittlich hoch, die Stressbelastung laut "Depressionsatlas" der Techniker Krankenkasse 2015 mit am höchsten. Die aktuellen Ergebnisse im DGB-Index Gute Arbeit belegen es erneut: 80 Prozent erleben Arbeitshetze durch Multitasking, 65 Prozent durch zu viele Vorgänge und Projekte, 63 Prozent begründen dies mit zu knapper Personalbemessung, 61 Prozent durch ungeplante Zusatzaufgaben. Im Gesamtergebnis des Index schneidet die Arbeitsintensität am schlechtesten ab, gefolgt von der Bewertung zum Einkommen.

Nach Einschätzung vieler Beschäftigter ist ein Arbeiten bis zur Rente in diesem Beruf eher unwahrscheinlich. Bei der Auswertung im Index Gute Arbeit (2014) gab es folgende Rückmeldungen: 43 Prozent sagten Nein, wohl eher nicht, 46 Prozent sagten Ja, wahrscheinlich, 11 Prozent antworteten "weiß nicht". Bei einer Umfrage unter Callcenter-Beschäftigten vor einigen Jahren sah es noch viel schlechter aus: 61,7 Prozent meinten damals, dass sie ihren Job nicht bis zur Rente ausüben können, also eindeutig negativer.

Dazu Ulrich Beiderwieden, zuständiger Fachgruppenleiter bei ver.di: "Die Belastungen der Beschäftigten sind eindeutig zu hoch und objektiv belegbar, wie die aktuellen Auswertungen zeigen. Durch regelmäßige Arbeits-unterbrechungen, zusätzliche Bildschirmpausen, der Einrichtung von Mischarbeitsplätzen und einer optimalen ergonomischen Einrichtung des Arbeitsplatzes könnte schon viel gewonnen werden." ver.di berät dazu gern Betriebsräte, würde aber aus gewerkschaftlicher Sicht branchenweite tarifliche Regelungen favorisieren. Dazu müssten sich die einzelnen Vorstände und Geschäftsführer der einzelnen Callcenter und die Interessenverbände der Branche bewegen und endlich einen Arbeitgeberverband gründen, so Beiderwieden.