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Sicherheitsbranche: Wachstum erfordert bessere Arbeitsbedingungen

Sicherheitsbranche: Wachstum erfordert bessere Arbeitsbedingungen

Die zivile Sicherheitswirtschaft in Deutschland wächst überdurchschnittlich stark. Dies belegt eine Studie des Brandenburgischen Instituts für Gesellschaft und Sicherheit (BIGS). Für dieses Jahr erwarten die Unternehmen ein Wachstum von durchschnittlich 5,6 Prozent und für die kommenden Jahre von durchschnittlich 6,4 Prozent. In der Vorjahresbefragung lag die mittelfristige Wachstumserwartung noch bei 4,4 Prozent. Viele Unternehmen wollen daher neue Stellen schaffen.

ver.di freut sich über diese Entwicklung, mahnt jedoch bessere Arbeitsbedingungen für die Branche an. "Die Probleme liegen vor allem in überlangen Arbeitszeiten, geringen Löhnen und mangelnder Qualifizierung", kritisiert Jürgen Stahl, zuständiger Fachgruppenleiter bei ver.di. Dass über 70 Prozent der Unternehmen Schwierigkeiten angeben, geeignete Bewerber zu finden, zeige, wie wenig attraktiv die Branche für Arbeitnehmer/innen sei.

Der Umstand, dass Cybersecurity ein besonders stark wachsender Zweig der Sicherheitswirtschaft sei - insgesamt 60 Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen den Bereich IT-Sicherheit als entscheidenden Trend der Zukunft - verschärfe nochmals das Qualifikationsproblem. In der IT-Sicherheit mangele es deutlich an ausgebildetem Personal. Hier müssten die Unternehmen dringend investieren, fordert Stahl.

Als besonders problematisch betrachtet ver.di die durch die Studie belegte zunehmende Privatisierung von Sicherheit. Das starke Wachstum der privaten Sicherheitswirtschaft führt zu einer stetigen Verschiebung im Verhältnis zwischen privater und staatlicher Sicherheitsgewährleistung. Während die staatlichen Ausgaben für Aufgaben der Öffentlichen Sicherheit in den vergangenen Jahren - inflationsbereinigt - stagnierten und zuletzt bei 42,8 Milliarden Euro lagen, hat die Bedeutung der privaten Sicherheitswirtschaft in den vergangenen drei Jahren deutlich zugenommen. 27 Prozent des Umsatzes (ca. 9,5 Mrd. Euro) der privaten Sicherheitswirtschaft werden laut BIGS-Studie durch öffentliche Aufträge erbracht. "Die Misshandlung von Flüchtlingen in Nordrhein-Westfalen und anderswo durch privates Sicherheitspersonal zeigt, dass der Staat sich in diesen sensiblen Bereichen nicht aus der Verantwortung stehlen darf und kontrollieren muss, dass geeignetes und entsprechend ausgebildetes Personal zum Einsatz kommt", so Stahl.

Insgesamt beschäftigt die zivile Sicherheitswirtschaft in Deutschland rund 450.000 Mitarbeiter/innen und erwirtschaftet einen Umsatz in Höhe von etwa 35 Milliarden Euro.