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Call Center: ver.di fordert Gründung eines Arbeitgeberverbandes

Call Center: ver.di fordert Gründung eines Arbeitgeberverbandes

ver.di fordert die Vorstände und Geschäftsführungen sowie die Interessenverbände der Callcenterbranche dringend auf, einen Arbeitgeberverband zu bilden. "Schaffen Sie damit die Voraussetzungen dafür, um mit uns gemeinsam für die über 520.000 Beschäftigten in den Callcentern perspektivisch tarifliche Strukturen zu schaffen", heißt es in dem Aufruf, der auf der Branchenmesse Call Center World (CCW) bekannt gegeben wurde.

Zwar wirkt sich nach ersten ver.di-Informationen die Einführung des Mindestlohns für viele Beschäftigte positiv aus. Fast 75 Prozent der in den befragten über zwanzig Standorten Beschäftigten bekommen mehr Geld. Die durchschnittliche Erhöhung liegt zwischen 75 und 90 Cent pro Stunde, in der Spitze zwischen 1 bis 1,75 Euro.

Dennoch sind die Arbeitsbedingungen in der Branche nach wie vor schwierig. Hierzu gehören insbesondere Stress und Arbeitsüberlastung. Der Depressionsatlas der Techniker Krankenkasse ordnet den Stresslevel und die psychische Belastung bei Callcenter-Beschäftigten als absolut am höchsten ein. Entsprechend deutlich erhöht ist auch der Krankenstand in der Branche (6,4 gegenüber 3,36 Prozent im Durchschnitt). Und entsprechend schlecht ist die Stimmung unter den Beschäftigten, wie eine ver.di-Umfrage feststellte. 88,7 Prozent der Befragten vermissen Anerkennung ihrer Arbeit, 78,4 Prozent fühlen sich leer und ausgebrannt nach der Arbeit, 68,7 Prozent erleben ihre Arbeitssituation oft als frustrierend. 67,5 Prozent vermissen eine richtige Erholung nach der Arbeit.

Wegen dieser Situation hatten Betriebsräte der Branche bereits im Herbst eine Resolution verabschiedet, um auf die drängenden Probleme aufmerksam zu machen. Sie erwarten, dass unter anderem die psychischen Belastungen angegangen werden, auskömmliche Löhne gezahlt werden, die nicht auf Mindestlohn-Niveau stehen bleiben, dass die generelle Ausnahme vom Verbot der Sonntagsarbeit zurückgenommen wird und dass die geplante Aushebelung von Arbeitnehmer/innenrechten durch die gegenwärtig diskutierten Freihandelsabkommen verhindert wird.

ver.di ist auf der CCW mit einem Stand (Estrel Hotel Berlin-Neukölln, Halle 3 B 1, 09:00 bis 18:00 Uhr) bis zum 26. Februar 2015 vertreten.