Wach- und Sicherheitsgewerbe

Sicherheitsbranche NRW: Raus aus dem Niedriglohnsektor

Sicherheitsbranche NRW: Raus aus dem Niedriglohnsektor

Erstmalig ist das Sicherheitsgewerbe in Nordrhein-Westfalen nicht mehr in dem seit 2004 vom Landesarbeitsministerium herausgegebenen Tarifspiegel der Niedriglohnbetriebe aufgeführt. Der Tarifspiegel orientiert sich an der von der OECD (Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) definierten Niedriglohnschwelle. Gemäß dieser handelt es sich um einen Niedriglohn, wenn der Verdienst eines Beschäftigten kleiner als zwei Drittel des mittleren Verdienstes aller Beschäftigten ist.

Allerdings wird nur knapp die Hälfte der 52.000 Beschäftigen im nordrhein-westfälischen Sicherheitsgewerbe auf Grundlage des Mindestlohns entlohnt. Insgesamt sind fast 30 verschiedene Lohngruppen tariflich vereinbart. Die Löhne reichen bis zu 17,05 Euro für die Fluggastkontrolleur*innen in Köln/Bonn und Düsseldorf. Die geprüften Schutz- und Sicherheitskräfte bzw. Fachkräfte für Schutz und Sicherheit kommen auf einen Stundengrundlohn von rund 16 Euro.

„Dieser erste Schritt zeigt deutlich, wie wichtig es ist, dass zwischen den Tarifparteien ausgehandelte Tarifverträge anschließend auch für allgemeinverbindlich erklärt werden“, sagt Arno Peukes, ver.di-Bundessekretär für die Sicherheitsbranche. Laut BDSW vertreten die 189 Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes in Nordrhein-Westfalen einen Marktanteil von rund 65 Prozent. „Durch die gemeinsam beantragte AVE gelten unsere Tarifabschlüsse für alle Unternehmen und verhindern so, dass schwarze Schafe sich auf dem Rücken der Beschäftigten Wettbewerbsvorteile verschaffen. Das Beispiel NRW unterstreicht für den ver.di-Sekretär die Notwendigkeit eines vereinfachten Beantragungsverfahrens einer Allgemeinverbindlichkeit (AVE) durch die neue Bundesregierung. Peukes: „Die gegenwärtige Debatte um soziale Ungleichheit zeigt, dass die Bundesregierung endlich handeln muss. Gute Tarifregelungen müssen für alle Beschäftigten einer Branche gelten können. Dies wird heute vom BDA sogar da verhindert, wo beide Tarifvertragsparteien allgemeinverbindliche Tarifverträge wollen.“