Reisebranche

Fachkräftemangel und mangelnde Anerkennung

Reisebranche: Fachkräftemangel und mangelnde Anerkennung

Nachdem die Einschränkungen durch die Pandemie weitgehend weggefallen sind, nehmen die Buchungen für Urlaubsreisen wieder stark zu. In den Jahren zuvor waren die Umsätze stark gesunken – von 24,6 Milliarden Euro bei Urlaubs- und Geschäftsreisen im Jahre 2019 auf 7,8 Milliarden Euro in 2021 und bei den Reiseveranstaltern von 25,4 Milliarden Euro auf 10,7 Milliarden Euro (Quelle: Deutscher Reiseverband). Die Buchungseingänge liegen derzeit etwa bei DER Touristik wieder auf dem Niveau von 2019. 

Nun machen sich die fehlenden Fachkräfte in allen Bereichen der Reisebranche stark bemerkbar. Personalabbau mit Freiwilligenprogrammen bei den großen Konzernen haben dazu geführt, dass viele Beschäftigte diese Gelegenheit nutzten, aus der Reisebranche auszusteigen. Im Veranstalterbereich der TUI zum Beispiel sank die Anzahl der Beschäftigten von rund 1500 in 2019 auf rund 1100 im April 2022, im Vertrieb von rund 2800 auf rund 2200. Auch Ausbildungsplätze wurden während der Kurzarbeit nicht auf dem gleichen Niveau wie vor der Pandemie angeboten, sodass der Nachwuchs fehlt. 

Nun gilt es, dies zu kompensieren. Nicht zuletzt aufgrund der Pandemieauswirkungen fanden keine Tarifverhandlungen mit dem Deutschen Reiseverband statt. Auch bei der TUI wurden zwar verschiedene Tarife verhandelt, zu eindeutig monetären Verbesserungen ist es jedoch auch hier nicht gekommen. Gerade im Bereich der Auszubildendentarifverträge galt es sogar, Eingriffe in die Leistungen abzuwehren und Anpassungen an die pandemische Situation vorzunehmen.

Zugleich hat sich, beschleunigt durch die Corona-Pandemie, das Berufsbild und die Kundenerwartung gewandelt: Die Kombination aus persönlicher und digitaler Beratung und der Auftritt in den sozialen Medien hat sowohl für die Beschäftigten als auch die Kund*innen einen hohen Stellenwert gewonnen.

Der Verdienst ist ein wichtiger Punkt für die Beschäftigten. Aber auch die Arbeitsbedingungen (digital, Präsenz oder Homeoffice) sowie flexible Arbeitszeiten sind wichtige Faktoren für das Interesse und die Motivation, in der Reisebranche zu arbeiten. Hier sind die Arbeitgeber*innen gefordert, mit ver.di und den Arbeitnehmervertreter*innen Lösungen für die Kolleg*innen zu finden, damit die Wertschätzung erhalten bzw. erhöht wird. Je stärker die Solidarität der Kolleg*innen in der Reisebranche untereinander und je größer die Zahl der ver.di-Mitglieder ist, desto besser kann es gelingen, gute Lösungen für die Beschäftigten zu erzielen.