Friseurhandwerk

Besser mit Betriebsrat

Friseurhandwerk: Besser mit Betriebsrat

Die Geschichte einer Insolvenz in der Pandemie: die Klier Hairgroup GmbH

VON SONJA AUSTERMÜHLE

Wie wir bereits mehrfach berichtet haben, zeichnete sich die Klier Hairgroup GmbH in den vergangenen Jahren nicht gerade durch ihren vorbildhaften Umgang mit ihren Betriebsräten und der Mitbestimmung aus. Wahlen wurden angefochten, Betriebsratsmitglieder fristlos gekündigt, Betriebsratszeiten nicht als Arbeitszeit und Betriebsratskosten nicht als erstattungsfähig anerkannt.

Anlässlich der Schließungen, Einschränkungen und Vorgaben in der Corona-Pandemie stellte die Klier Hairgroup dann zu Anfang September 2020 einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens unter einem Schutzschirm in Eigenverwaltung. Die Besetzung des Arbeitnehmer*innen-Mandats im Gläubigerausschusses erfolgte auch hier ohne Rücksprache mit ver.di oder dem Gesamtbetriebsrat.

Die anlässlich der angekündigten Salonschließungen im Insolvenzverfahren auftretenden Verunsicherungen und Fragen bei den Beschäftigten versuchte ver.di mithilfe ausführlicher Aufklärungsblätter zu den Rechten und Pflichten der Beschäftigten und mit offenen, digitalen Mitgliederversammlungen zu begegnen. Die Rückmeldungen etlicher Beschäftigten bestätigten das bislang auch im Umgang mit den Betriebsräten sich abzeichnende Bild: Einige Salons wurden offensichtlich ohne Vorankündigung geschlossen und den Beschäftigten die Kündigung übergeben, Mitarbeiter* innen wurden im Zuge der Umstrukturierungen in schlechter gehende oder abgelegenere Filialen versetzt.

Anfang Dezember hat das Amtsgericht dann das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet; seit Anfang Mai ist die Klier Hairgroup GmbH nun wieder aus der Insolvenz heraus. Auf ihrem Sanierungsweg sind jedoch rund 500 Salons und über 2.100 Beschäftigte auf der Strecke geblieben. Das entspricht etwa 33 Prozent aller Salons und rund 25 Prozent aller Beschäftigten! Und die, die noch da sind, befinden sich oftmals noch bis heute in Kurzarbeit. Nach eigenen Angaben von Klier sind rund 850 Filialen und etwa. 6.500 Kolleg*innen verblieben.

In der Abbauphase hat sich aber auch deutlich gezeigt, dass die Beschäftigten in den Regionen, in denen sich zuvor Betriebsräte gegründet hatten, besser gefahren sind. Durch die in etlichen Teilen vorgesehene Beteiligung der Arbeitnehmervertretungen sind Schließungsszenarien für die Kol - leg*innen besser nachvollziehbar geworden und sie sind auch nicht gänzlich leer ausgegangen.

Für die Kolleg*innen aus den Betriebsräten hat der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens leider erhebliche finanzielle Auswirkungen gehabt. Ihre Ansprüche auf Erstattung von Betriebsratskosten, wie zum Beispiel Bahnfahrten zu Sitzungen des Gesamtsbetriebsrates, für die sie teilweise in Vorleistung gegangen wird, können nur noch zur sogenannten Tabelle angemeldet werden. Und damit ist vollkommen unklar, wann und in welcher Höhe diese Gelder jemals erstattet werden. Nur so viel ist klar: Es wird nur ein Bruchteil dessen sein, womit sie in Vorleistung gegangen sind.

In einem Unternehmen, das auf die Motivation und Leistung seiner Mitarbeiter*innen derart angewiesen ist, wie die Klier Hairgroup GmbH, ist es sicherlich nicht geschäftsfördernd, die finanzielle Schieflage vor allem über die Beschäftigten abzufangen.