Friseurhandwerk

Nachbesserung des Kurzarbeitergeldes nötig

Friseurhandwerk: Nachbesserung des Kurzarbeitergeldes nötig

Die wirtschaftlichen Soforthilfen wegen der Coronakrise für die Beschäftigten im Handwerk müssen dringend nachgebessert werden. Dies fordern ver.di, der DGB und Deutsche Handwerkskammertag sowie die Gewerkschaften IG Metall, IG Bau und NGG. „Die Bundesregierung fordern wir auf, auch den Beschäftigten im Handwerk eine Mindestsicherung von mindestens 80 Prozent, besser 90 Prozent oder mehr zu ermöglichen“, heißt es in dem Schreiben an Bundesregierung und Bundestag. Das Handwerk sei schwer betroffen, da die Einkommen hier durchschnittlich 20 Prozent unter den Einkommen der Gesamtwirtschaft liegen.

Friseur*innen trifft das zu niedrige Kurzarbeitergeld mit Einkommenseinbußen bis zu 40 Prozent ihres Nettoentgeltes wegen häufiger Teilzeit und niedrigen Einkommen besonders dramatisch. „Jede Überstunde und jedes Trinkgeld sind zur Finanzierung des Lebensunterhaltes unerlässlich”, heißt es in dem Brief an die Ministerien und den Bundestag. So beläuft sich das Grundgehalt einer Friseurin in Nordrhein-Westfalen mit 50 Prozent Arbeitszeit auf 881,51 Euro brutto. Alleinerziehend mit zwei Kindern (Steuerklasse 2) errechnet sich daraus ein Kurzarbeitergeld von 471,68 Euro brutto. Bei Vollzeit erhielte die Beschäftigte ein Kurzarbeitergeld in Höhe von 886,55 Euro. Dabei seien die Friseureinkommen in NRW vergleichsweise hoch, heißt es bei ver.di.

Problematisch für Beschäftigte im Handwerk ist zudem die Berechnung des Kurzarbeitergeldes auf Basis der arbeitsvertraglichen oder tariflichen Arbeitszeit. Denn viele Beschäftigte leisten Überstunden, um ihr Grundgehalt aufzubessern. Die jetzige Berechnungsgrundlage berücksichtigt dies nicht. „Das auf dieser Basis errechnete Kurzarbeitergeld reicht für viele Handwerkerinnen und Handwerker in unserem Land bei weitem nicht, um Miete und Lebenshaltungskosten zu finanzieren“, kritisieren die Gewerkschaften und der Handwerkskammertag.

Parallel bemüht sich ver.di um eine gesetzliche wie auch um eine tarifliche Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 90 Prozent. Die Gewerkschaft hat Unterschriften für eine entsprechende Petition gesammelt. Die Petition wurde am 27. März dem Bundestag überreicht und muss von diesem behandelt werden. Zugleich führt die Gewerkschaft mit den Arbeitgebern Gespräche über eine tarifliche Lösung.