Facility Management

Subunternehmen - Arbeitsverhältnisse zweiter Klasse

Facility Management: Subunternehmen - Arbeitsverhältnisse zweiter Klasse

Millionen Erwerbstätige arbeiten als Subunternehmer*innen. So wurde zum Beispiel der festangestellte Hausmeister vielfach durch Firmen für Facility Management mit ständig wachsender Angebotspalette ersetzt. Was dieser Trend für die Beschäftigten bedeutet, hat eine Studie für die Hans-Böckler-Stiftung untersucht. Die Analyse fußt auf einer Befragung von Betriebsräten und Betriebsfallstudien. Zentrales Ergebnis: Durch den Abschluss von Werk- und Dienstverträgen mit Fremdfirmen entstehen häufig Arbeitsverhältnisse zweiter Klasse, was auch die Arbeitsbedingungen der Stammbelegschaften unter Druck setzt. Gewerkschaftliche Gegenstrategien sind vor allem dann erfolgreich, wenn sie unternehmens- und branchenübergreifend angelegt sind.

Die befragten 520 Betriebsräte berichten, dass im Durchschnitt 13 Prozent des Arbeitsvolumens im Kernbereich von Unternehmen im Rahmen von Werk- und Dienstverträgen erledigt wird. Im Trend nimmt die Beauftragung von Subunternehmer*innen zu. Das zeigen etwa Umfragen der IG Metall und der steigende Anteil zugekaufter Waren und Dienstleistungen an den Endprodukten.

Werk- und Dienstverträge dienen oft dazu, Tarifstandards und Mitbestimmungsrechte zu unterlaufen. Die Beschäftigten der Subunternehmer sind in der Regel zu einem geringeren Teil gewerkschaftlich organisiert, verfügen oft nicht über wirksame Mitbestimmungsstrukturen und sind leichter kündbar. Entsprechend schwach ist ihre Verhandlungsposition. Das können Arbeitgeber ausnutzen, um sie etwa für weniger Geld arbeiten zu lassen, als es Angehörige der Stammbelegschaft bekämen.

Als bedenklich hinsichtlich der Arbeitsbedingungen stufen immerhin 39 Prozent der befragten Betriebsräte Vertragsverhältnisse mit Dienstleistern oder Subunternehmer*innen ein. Wobei die kritischen Töne bei den Betriebsräten von Intensivnutzern, bei denen über 30 Prozent des Arbeitsvolumens von Werk- oder Dienstvertragsnehmer*innen erledigt werden, deutlich überwiegen: Hier halten drei Viertel die Verhältnisse für bedenklich. Wo der Umfang der Fremdvergaben in den vergangenen fünf Jahren zugenommen hat, sind die Betriebsräte ebenfalls skeptischer als im Durchschnitt. Denn damit steigt auch der Druck auf die Stammbelegschaften, denen täglich vor Augen geführt wird, dass andere bereit sind, zu schlechteren Konditionen zu arbeiten.

Der Betriebsrat des Auftraggebers hat rechtlich allerdings kaum eine Handhabe gegen die Vergabe von Werk- oder Dienstverträgen. Die Studie rät daher, eine Erweiterung der Mitspracherechte von Arbeitnehmervertretungen zu diskutieren. Heute ließen sich die Interessen der Beschäftigten am ehesten durchsetzen, wenn Arbeitnehmervertreter*innen von Auftraggeber und Auftragnehmer zusammenarbeiten, so das Fazit der Studie. Der Missbrauch von Werk- und Dienstverträgen ließe sich etwa durch abgestimmte Betriebsvereinbarungen und Haustarifverträge eindämmen.