Botanische Gärten, Zoos, Naturparks, Bäder

Saunen nicht verschimmeln lassen

Botanische Gärten, Zoos, Naturparks, Bäder: Saunen nicht verschimmeln lassen

Tim Bergmann, ehemals Betriebsratsvorsitzender der Bali-Therme in Bad Oeynhausen, über die Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber während der Pandemie

Ich habe insgesamt acht Jahre als Koch in der Bali-Therme in Bad Oeynhausen gearbeitet, von 2012 bis 2020. Die Therme gehörte mal dem Land, wurde aber 2004 privatisiert und ging an die Theunes-Spa-Management GmbH. Die Arbeitsbedingungen waren in der Folge mehr als problematisch: keine Tarifbindung, sehr viele geringfügig Beschäftigte, Befristungen ausgereizt, etwa 30 Prozent der 180 Beschäftigten auf Mindestlohn. Immerhin gab es einen siebenköpfigen Betriebsrat. Wir befanden uns mit der Geschäftsführung durchgängig im Konflikt.

Vor Corona ging es vor allem um Arbeitsbedingungen und Löhne und das Problem der Arbeitsverdichtung. Im Bereich der Bäder gibt es starke Stoßzeiten – im Sommer ist wenig zu tun, dafür von Herbst- bis Osterferien High life. Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz waren auch immer Thema: In der Schwimm - aufsicht sind die Kolleg*innen hohen Belastungen durch Temperatur und Luftfeuchtigkeit und der permanenten Verantwortung ausgesetzt. Da braucht man genug Leute, um die Schichten gut besetzen zu können. Für die Kolleg*innen in den Saunen ging es darum, sie vor den Chemikalien in den Aufgüssen ausreichend zu schützen.

Ich habe als BR-Vorsitzender etliche Auseinandersetzungen mit der Bali Therme geführt, sowohl mit der Theunes Gruppe als auch dem jetzigen Besitzer, der International Wellness Resource. Wir haben zum Beispiel für die knapp 30 Prozent der Kolleg*innen in der Gastronomie einen Tarifvertrag der NGG geltend gemacht. Das mussten wir bis vor das Landesarbeitsgericht Hamm bringen. Etliche Betriebsvereinbarungen, etwa zu Arbeitszeit und Dienstplan, Urlaub und Betriebliches Eingliederungsmanagement gingen bis in die Einigungsstellen. Aber die härteste Auseinandersetzung, die ich für die Bali Therme geführt habe, war die Betriebsvereinbarung zu Einführung der Kurzarbeit und Aufstockung des Kurzarbeitergeldes (KUG) wegen Corona.

Wir waren im Frühjahr 2020 auf einen Schlag dicht. Als wir dann gesagt haben, dass wir als BR der Kurzarbeit nur zustimmen, wenn der Arbeitgeber das KUG aufstockt, hat die Geschäftsführung uns hart unter Druck gesetzt und Gerüchte im Betrieb gestreut: Wenn der BR bei seiner Linie bliebe, müsse der Laden dicht machen und alle rausgeschmissen werden, der BR wolle sich nur bereichern. Wir haben dann die Belegschaft darüber informiert, dass 60 oder 67 Prozent Kurzarbeitgeld bei ihren niedrigen Löhnen einfach nicht ausreichen und dass der Arbeitgeber vorhat, auf ihre Kosten staatliche Gelder einzustreichen. Unsere Leute haben schnell verstanden, dass sie sich hinter uns stellen müssen, um noch was im Kühlschrank zu haben. Zum Glück waren wir im vergangenen Frühjahr gut organisiert, da wir gerade in der Tarifbewegung waren. So konnten wir den Arbeitgeber unter Druck setzen: Entweder er stimmt einer Aufstockung zu oder wir zwingen ihn per Annahmeverzug immer wieder den vollen Lohn zu zahlen. Letztlich haben wir für den April 2020 hundert Prozent und danach durchgängig 80 Prozent Aufstockung durchgesetzt.

Die Geschäftsführung hat trotz Kurzarbeit alle befristeten Verträge auslaufen lassen. Einige Kolleg*innen haben auch selbst gekündigt. 70 Leute sind insgesamt während der Corona-Zeit ausgeschieden. Ich bin mir aber sicher: Nur die Bäder, die investiert und nicht Geld aus dem Laden gezogen haben, können sich wieder etablieren. Bei den anderen sind in der Zwischenzeit die Saunen verschimmelt.