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Mindestlohn: In Deutschland niedriger

Mindestlohn: In Deutschland niedriger

Der deutsche Mindestlohn ist mit 9,19 Euro pro Stunde weiterhin spürbar niedriger als die Lohnuntergrenzen in den anderen westeuropäischen Euro-Staaten. Diese sehen 9,66 Euro und mehr Stundenlohn vor, in Frankreich erstmals über zehn und in Luxemburg sogar 11,97 Euro. Das zeigt der neue Mindestlohnbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

„Insgesamt ist innerhalb der EU bereits seit einigen Jahren ein Trend zu deutlich höheren Mindestlohnsteigerungen zu beobachten“, schreiben die WSI-Tarifexperten Thorsten Schulten und Malte Lübker.

Vorschläge, europaweit ein Mindestniveau zu verankern, finden nach Analyse der WSI-Experten zunehmend Unterstützer. So ist im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbart, dass sich die deutsche Ratspräsidentschaft im kommenden Jahr um einen „europäischen Rechtsrahmen für Mindestlöhne“ bemühen soll. Die Bundesminister Katarina Barley, Olaf Scholz und Hubertus Heil haben das kürzlich bekräftigt und für 2020 eine entsprechende Initiative angekündigt.

Trotz der aktuellen Erhöhungen sei der Mindestlohn in den meisten Ländern aber noch ein erhebliches Stück von einer existenzsichernden Grenze entfernt, betonen die Forscher. Das gelte gerade auch für Deutschland, wo der Mindestlohn aktuell nicht einmal die Hälfte des Medianlohns erreicht. Um armutsfest zu sein, müsste der deutsche Mindestlohn auf annähernd 12 Euro angehoben werden.