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Callcenter: Rüstzeit ist Arbeitszeit

Callcenter: Rüstzeit ist Arbeitszeit

Das Arbeitsgericht Magdeburg hatte Ende Oktober über die Klage eines Callcentermitarbeiters zu entscheiden. Arbeitgeberin ist eine Unternehmensgruppe aus dem Callcenterbereich mit mehr als 2000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von rund 60 Millionen Euro. Der Kläger wird mit dem Mindestlohn vergütet.

Seine tägliche Arbeit beginnt mit der Wahl eines Arbeitsplatzes. Er muss dann einen Windows-PC hochfahren und nach festen Vorgaben verschiedenste Programme starten. Hierzu zählen u. a. virtuelle Oberflächen der Auftraggeber, Datenbanken, Statistiktools, Messprotokolle sowie Kontroll- und Überwachungsprogramme. Die Eingabe verschiedener Benutzernamen und Passwörter ist dazu erforderlich. Erst danach, wenn der Kläger mit dem Telefonieren beginnen kann, wird seine Tätigkeit als Arbeitszeit erfasst. Mit der so genannten "Rüstzeit" vergehen jeden Tag rund 10 Minuten, die ihm nicht als Arbeitszeit anerkannt werden.

Der Kläger vertrat den Standpunkt, dass der Arbeitgeber auch die systembedingten Vorbereitungszeiten als Arbeitszeit anerkennen und vergüten muss. Das Arbeitsgericht Magdeburg (Az. 3 Ca 3220/15) gab nun dem Kläger recht. Er erhält rückwirkend für ein Jahr eine tägliche "Rüstzeit" von rund 10 Minuten als Arbeitszeit anerkannt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Dazu ver.di: "Mit dem Urteil wird die Position der Callcenterbeschäftigten in der gesamten Branche gestärkt. Das Arbeitsgericht hat einen richtigen Schritt gegen die Verlagerung der Betriebsrisiken auf die Arbeitnehmer*innen und deren Ausbeutung unternommen."