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Wohnungswirtschaft: Deutsche Wohnen umgeht Mitbestimmung

Wohnungswirtschaft: Deutsche Wohnen umgeht Mitbestimmung

Der Berliner Immobilienkonzern Deutsche Wohnen unterläuft die gesetzlich geregelte Mitbestimmung - mit juristischen Tricks, aber auch durch Einschüchterung gewerkschaftlich aktiver Beschäftigter. Dies berichtet die Tageszeitung taz unter Berufung auf ehemalige Beschäftigte.

So habe die Deutsche Wohnen ihre Beschäftigten auf mehrere Tochterunternehmen verteilt, um zu vermeiden, ihren Aufsichtsrat zu einem Drittel mit Arbeitnehmervertreter*innen besetzen zu müssen. Dies ist ab einer Unternehmensgröße von 500 Mitarbeiter*innen gesetzlich vorgeschrieben - die Deutsche Wohnen hat insgesamt sogar 750 Beschäftigte. Zudem versucht das Unternehmen, Beschäftigte, die einen Betriebsrat gründen wollen, einzuschüchtern oder aber aus dem Unternehmen zu drängen. Eine ehemalige Führungskraft der Deutschen Wohnen spricht dem Bericht zufolge von einem "mitbestimmungsfeindlichen Klima". Anstelle eines Betriebsrates leistet sich der Konzern eine "Fokusgruppe" für Arbeitnehmer*innen. Diese Gruppe allerdings wird nicht in einem ordentlichen Verfahren gewählt und hat keine gesetzlichen Mitbestimmungsrechte. Barbara Tulke vom Fachbereich Besondere Dienstleistungen, ver.di Berlin-Brandenburg, bewertet dieses Gremium als Alibiveranstaltung. "Derartige Gremien ohne verbindliche Rechte und Ansprüche können Betriebsräte nicht ersetzen", sagt Tulke.

Die Deutsche Wohnen hat in 2016 einen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro gemacht und ihren Börsenwert in den vergangenen zwei Jahren damit mehr als verdoppelt - auch auf Kosten ihrer Mieter*innen: Der Mietspiegel wird ignoriert und Reparaturen verschleppt.