die besonderen-Report

1/2017 | Läuft doch!

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1/2017 | Läuft doch!

Baustelle digital, Gemeinschaft analog

Neue Arbeit ist mehr als alte Arbeit mit Internetanschluss. Seit den siebziger Jahren transformiert die Arbeitswelt von der Industrie- zur Wissensgesellschaft. Mittlerweile verändert sich Technik und damit technisch machbare Lösungen innerhalb von zwei Jahren grundlegend. Das hat Auswirkungen auf Arbeit und Qualifizierung. Die Beschleunigung technischer Innovationen führt in den Betrieben zu einer Flexibilisierung der Arbeitsstrukturen: Veränderungen der Arbeitsorganisation, Veränderungen der Arbeitsplätze - z. B. vernetzte Arbeitsformen - und kontinuierliche Restrukturierungsprozesse, verbunden leider auch mit Arbeitsplatzabbau. Neue Beruflichkeit, dynamischer und pluraler werdende Berufsbiografien, berufliche Neuorientierungen und lebensbegleitende Fort- und Weiterbildungsbedarfe werden die neue Arbeitswelt prägen.

Sind wir als Gewerkschaft darauf vorbereitet? Reicht es dafür zu kämpfen, dass die „digitale Transformation“ eine neue Sozialordnung erhält? Geht das überhaupt? Oder brauchen wir auch Zeit, um zu überlegen, wie man aus Routinetätigkeiten, die künftig durch Automatisierung wegfallen, in sinnvolle Arbeit kommt? Es geht also nicht nur darum zu prüfen, was wir zu verlieren fürchten, sondern auch, was wir gewinnen. Apropos gewinnen: Auch in Zeiten von online-Petitionen, facebook, Twitter und Whatsapp-Gruppen gewinnen wir die wenigsten Mitglieder automatisch. Sondern tatsächlich dadurch, dass wir Menschen im privaten oder beruflichen Umfeld ansprechen. Dafür brauchen wir nicht viel. Allerdings brauchen wir dafür die Klarheit, was unsere Kernaufgaben sind, wofür wir stehen: Wir wollen die Lebens- und Arbeitsbedingungen unserer Mitglieder verbessern. Und für mehr Gerechtigkeit kämpfen. Auch in Zeiten der Digitalisierung. Wir lassen uns nicht nur deshalb auf die neue Arbeitswelt ein, weil es die alte bald nicht mehr gibt. Nein, es ist auch immer eine Chance, neu anzufangen. Auch wenn die neue Arbeitswelt noch wie eine Baustelle daherkommt, kann sie damit auch Vielfalt und Abwechslung bieten, neue Freiheiten und neue Möglichkeiten der Beteiligung eröffnen. Ob wir diese nutzen, entscheiden nicht Politiker*innen oder Manager*innen, sondern jede/r von uns, jeden Tag, jetzt. Das geht weder online noch auf der Couch. Wir müssen mitmachen, aufstehen und ansprechen, damit wir mehr werden. Denn Gemeinschaft fühlt sich analog noch immer gut an.