die besonderen-Report

2/2015 | Arbeiten 4.0

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Krise 4.0?

Die Auswirkungen der sogenannten „digitalen Revolution“ werden vielerorts diskutiert. Wir versuchen aus den jeweiligen Interessenlagen heraus Antworten für die Zukunft zu finden, ohne dass die Fragen bereits formuliert wären. Gleichzeitig wird polarisiert: Entweder der technische Fortschritt ist gut und bringt uns weiter - oder die technischen Neuerungen sind Jobkiller und zu verhindern.

Dagegen zu sein, hilft uns jedoch nicht. Die Herausforderung liegt in der aktiven Gestaltung. Mehr als 70 Prozent aller Beschäftigten arbeiten in den Dienstleistungsbranchen. Sie erleben bereits seit Jahren die Folgen der Automatisierung. Hafenarbeiter fragen nach den Auswirkungen vollständig automatisierter Containerhäfen, Smartphone-Apps gefährden die Einkommensgrundlage von Taxifahrer/innen.

Die Debatten im politischen Raum werden derzeit durch die Frage zum Umgang mit den Flüchtlingen verdrängt. Kein Zufall, denn beide Themen - Digitalisierung und Zuwanderung - verbinden die Fragen: Wie wollen wir leben und arbeiten, wie soll unsere Gesellschaft aussehen und was müssen wir dafür tun? Für beides gibt es keinen Plan. In einer digitalen Umgebung, einer komplexen Welt, die vielfältig und oft nicht berechenbar ist, die multikulturell ist, verlieren Schwarz-Weiß-Betrachtungen an Wert. Es geht um Konsens. Es geht darum, die anderen Meinungen einzubeziehen, als wichtige Grundlage sozialer Prozesse.

Ja, Digitalisierung wird die Arbeitswelt verändern. Zuwanderung auch. Es werden andere Anforderungen formuliert, soziale Kompetenzen rücken in den Vordergrund. Körperlich schwere, belastende, prekäre oder geistig stupide Arbeit wird vermehrt durch Maschinen geleistet. Die Arbeitsplätze, die bleiben oder neu entstehen, werden flexibler. Deshalb muss in Bildung und die berufliche Aus- und Weiterbildung investiert werden. Wir brauchen einen integrativen Zugang zum Arbeitsmarkt, auch für Zuwanderer. Es bedarf erheblicher Anstrengungen, um den arbeitsmarktpolitischen und gesellschaftlichen Wandel positiv zu gestalten.

Manche meinen bereits, das ganze System sei allein durch die „Flüchtlingskrise“ zum Scheitern verurteilt. Das griechische Wort krisis bedeutet im Wortsinne nichts anderes als Zuspitzung einer Entscheidung, also einen Wendepunkt. Wo Krisen sind, verändert sich was. Das ist zwar für viele die eigentliche Katastrophe, für ver.di nicht. Wir sind Profis im Gestalten. Mit 13 Fachbereichen und mehr als 1000 Branchen!