die besonderen-Report

3/2015 | Globalisierung

die besonderen-Report

3/2015 | Globalisierung

Der "Parzival" des W. v. Eschenbach formuliert den Auftrag des Rittertums unmissverständlich: Der Ritter solle sich "stets erbarmen des notigen Volkes und dem Kummer Wehr und Buß tun, dann nahet ihm Gottes Gruß". Dienst an einer guten Sache, Gottesfurcht, Beharrlichkeit, Großmut und Schutz für die Schwachen, Fair play und Sinn für das rechte Maß - sie machten das Rittertum aus, wenigstens in seiner idealen Gestaltung. Und dies sind Tugenden, die allen Zeiten gut stehen. Auch unserer Zeit.

Wenn wir auf 2015 zurückblicken, war es arbeitsreich und von Veränderung geprägt. Es war ein Jahr der Superlative. Griechenland, Eurokrise, Freihandel, Flüchtlinge, Energiewende, Terror. Es herrschte scheinbar eine Politik der Gefühle. Mit nüchterner Analyse hatte manch emotionale Diskussion nichts zu tun. Aber, ist es wirklich schon so weit, dass man die Welt nur noch mit dem Bauch verstehen kann? Brauchen wir also mehr Vernunft? Wenn Bauchgefühle mit "Sprache des Herzens" gleichgesetzt werden, ist dies nicht nur in der Vorweihnachtszeit populär. Wir sind schnell bei der Frage, welche Haltung habe ich eigentlich. Und was ist daran so schlimm, nicht sofort auf alles Unvorhergesehenes eine allumfassende Antwort parat zu haben. Wichtig ist, dass wir nicht auf die hereinfallen, die uns nun eine feste Moral vorgaukeln, mit einer bequemen Bestätigung aller Vorurteile verknüpfen und jede Menge Sicherheitsversprechen abgeben. Das bietet keinen Spielraum dazuzulernen, zu erneuern oder gar die eigene Position zu verändern. Gründliches Nachdenken kostet Zeit. Und die nehmen wir uns oft nicht. Wenn wir uns jedoch sehr schnell positionieren, sollten wir uns an denen orientieren, die jeweils den größten Schutz benötigen. Margot Käßmann sagte einmal: "Die Schwächsten sind der Maßstab für die Gerechtigkeit". Damit ist kein Widerspruch begründet zwischen Wirtschaft und Moral. Die Marktwirtschaft und in ihr die Gewerkschaften sorgen für eine stetige Verbesserung der Lebensumstände und mehr Wohlstand. Das ist eine gute Sache, an der wir gemeinsam mit Beharrlichkeit weiterarbeiten sollen, mit einem Großmut und Schutz für die Schwachen unter uns verbinden sollten, faire Rahmenbedingungen aufstellen und den Sinn für das rechte Maß nicht verlieren dürfen. Dann bleibt unser Land stark. Und bunt.

In diesem Sinne wünsche ich euch und euren Familien Frohe Weihnachten, mit einem zuviel an Zeit - zum Leben, Lachen und Nachdenken, besinnliche Tage und einen guten Start ins neue Jahr 2016!