die besonderen-Report

1/2016 | Neue Tagelöhner - Prekäre Arbeit

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Arm trotz Arbeit?

Deutschland ist ein wohlhabendes Land. Deshalb versteht es sich von selbst, dass wir davon ausgehen, dass jeder der Hunger hat, essen und wer Durst hat, trinken soll. Aber ist das so? Selbstverständlich kann jede/r von seinem Einkommen leben, reicht eine Rente zum würdigen Leben im Alter, nach 40 Berufsjahren, haben Kinder aus ärmeren Verhältnissen die gleichen Chancen im Bildungssystem? Wir sind doch in Deutschland. Da gibt es doch ein soziales System, da gibt es keine Ungerechtigkeiten? Mitnichten.

Die Armut in Deutschland wächst. Auch unter den Berufstätigen. Laut Bericht der Bundesregierung sind mehr als 15 Prozent der Bevölkerung in Armut oder an der Armutsgrenze. Über 12 Millionen Menschen, darunter mehr als 2,5 Millionen Kinder. Betroffen sind viele prekär Beschäftigte. Vor der Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes war klar, dass 5 - 7 Millionen Menschen weniger als 8,50 Euro brutto pro Stunde verdienten. Auch mit dem Mindestlohn können die Betroffenen keine großen Sprünge machen. Sie bekommen in Vollzeit 1462 Euro brutto. Sie bleiben arm.

Armut ist ein Makel in unserer Gesellschaft, bedeutet Stress auf allen Kanälen: geringes Einkommen, unsichere Wohnverhältnisse, soziale Ausgrenzung. Vor allem für betroffene Kinder. Das Armutsrisiko bei Alleinerziehenden liegt bei 43 Prozent. Das ist dramatisch. Der Sozialabbau der letzten zehn Jahre hat dazu beigetragen, dass Millionen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Armut erfasst und auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Damit finanzieren die Steuerzahler Geschäftsmodelle mit, die darauf angelegt sind, möglichst geringe „Lohnstück kosten“ zu haben. Der Mensch im Mittelpunkt. Längst nicht mehr. Das muss sich ändern.

Wir müssen mehr denn je für die Werte kämpfen, die unsere Gesellschaft braucht. Vollzeitbeschäftigung! Vernünftige und faire Arbeitsbedingungen! Die Abschaffung der sachgrundlosen Befristungsmöglichkeiten, die Weiterentwicklung des gesetzlichen Mindestlohnes und den Kampf um ein steigendes Rentenniveau! Selbst verständlich! Wir - das ist ver.di. Denn: Mehr ist fair!