Markt- und Meinungsforschung

Trotz Abschwächung in Folge der Wirtschaftskrise ist die Marktforschungsbranche im Aufwärtstrend. Hierfür verantwortlich sind die umsatzstärksten Forschungsbereiche: Große Marktstrukturerhebungen (Panels), qualitative Untersuchungen und Werbe(wirkungs-)forschung. Online-Erhebungsverfahren wachsen am schnellsten.

In Deutschland sind cirka 100.000 Arbeitnehmer/innen in der Branche beschäftigt, davon die eine Hälfte in Mafo-Abteilungen größerer Unternehmen, die andere Hälfte  in privaten Marktforschungsfirmen.

Diese insgesamt günstigen Rahmenbedingungen kommen jedoch praktisch nicht bei den Beschäftigten an. Vielmehr sind die Arbeitsbedingungen mit dem Begriff „new economy“ gut zu fassen: Ein hohes Maß an selbständiger Gestaltung der Arbeit steht für die Schokoladenseite – maßlose Überarbeit, eine geringe Regelungsdichte bei Arbeitsbedingungen und Sozialleistungen sowie viel Willkür bei der Entlohnung sind die andere Seite. Eine Umfrage des ver.di-Arbeitskreises der Betriebsräte in der Mafo-Branche (brafo) zeigt, dass der Arbeitsdruck steigt und permanente Arbeitsverdichtung zum Alltag gehören. Jeder Vierte fühlt sich von der Arbeit überfordert – als Gründe werden in erster Linie ein zu enger Zeitplan, zu viel Arbeit und übersteigerte Erwartungen an die Verfügbarkeit (durch Kunden und Vorgesetzte) genannt. Neue Managementmethoden, die zur indirekten Steuerung von Arbeit führen und Beschäftigte immer mehr den Erfordernissen des Marktes aussetzen, werden flankiert durch unbezahlte Überstunden („Vertrauensarbeitszeit“) und Lohndrückerei.

Da in diesen neuen Steuerungsmethoden die eigentliche Ursache für den steigenden  Arbeitsdruck und die Arbeitsverdichtung liegt, nehmen ver.di und die Betriebsräte Einfluss darauf. Deshalb fördert ver.di das Engagement der Branchenbetriebsräte zur Einführung von „guter und fairer Arbeit“ in der Marktforschungsbranche. Zudem wird perspektivisch an der Realisierung von Tarifverträgen gearbeitet. Erste Erfolge sind bereits zu verzeichnen: Ein Tarifvertrag bei nielsen sowie die Einrichtung von Tarifkommissionen bei der GfK und TNS. Damit es weiter vorangeht, fordert die Gewerkschaft daher die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Marktforschungsunternehmen (ADM)auf, einen tariffähigen Arbeitgeberverband – durch Ergänzung der Satzung – zu gründen.

Ansprechpartner/innen

ver.di Kampagnen